Der Zugang zum Feld ist – ähnlich wie die fünf Sinne, die wir täglich nutzen – in jedem Menschen angelegt und kann bewusst (re-)aktiviert werden.

Diesen Zugang kennen wir alle. Meist bezeichnen wir ihn als Intuition.
Doch möglicherweise steckt weit mehr dahinter als nur ein Bauchgefühl oder eine spontane Eingebung.
In systemischen Aufstellungen wird dieser Zugang bereits genutzt: Stellvertreter nehmen Informationen, Körperempfindungen oder Impulse wahr, die sie vorher nicht kennen konnten.
Die Wahrnehmung geschieht dabei jedoch meist unbewusst und lässt sich nicht gezielt steuern.

Die ehrliche Antwort lautet:

Bis heute gibt es darauf keine allgemein anerkannte wissenschaftliche Erklärung.
Es existieren jedoch verschiedene Erklärungsansätze und Denkmodelle, die versuchen, dieses Phänomen zu beschreiben.

Keiner dieser Ansätze konnte bislang eindeutig wissenschaftlich bestätigt werden. Dennoch liefern sie interessante Perspektiven darauf, wie sich dieses Phänomen erklären lassen könnte.

Im Folgenden stelle ich Dir die bekanntesten Erklärungsansätze vor.

Der phänomenologische Ansatz

Eine der grundlegendsten Herangehensweisen besteht darin, das Phänomen zunächst nicht erklären zu wollen.

Stattdessen wird beobachtet, was tatsächlich geschieht.

In systemischen Aufstellungen nehmen Stellvertreter Informationen, Impulse oder Körperempfindungen wahr, die sie vorher nicht kennen konnten. Diese Wahrnehmungen werden ernst genommen und in die weitere Arbeit einbezogen – unabhängig davon, wodurch sie letztlich entstehen.

Der Fokus liegt dabei nicht auf einer Theorie, sondern auf der sorgfältigen Beobachtung des Phänomens.

Repräsentierende Wahrnehmung

Für das in systemischen Aufstellungen beobachtete Phänomen hat sich der Begriff repräsentierende Wahrnehmung etabliert.

Er beschreibt die Fähigkeit von Stellvertretern, Informationen, Körperempfindungen oder Impulse aus dem dargestellten System wahrzunehmen.

Der Begriff selbst liefert jedoch keine Erklärung für die Entstehung dieser Wahrnehmungen. Er beschreibt lediglich das Phänomen und grenzt es sprachlich von anderen Formen der Wahrnehmung ab.

Das kollektive Unbewuste

Der Schweizer Psychiater Carl Gustav Jung entwickelte das Konzept des kollektiven Unbewussten.

Er ging davon aus, dass jeder Mensch nicht nur über ein persönliches Unbewusstes verfügt, sondern dass es darüber hinaus eine gemeinsame psychische Ebene gibt, die allen Menschen zugrunde liegt.

Nach diesem Modell könnten bestimmte Informationen, Erfahrungen und archetypische Muster nicht ausschließlich individuell gespeichert sein, sondern Teil dieses kollektiven Unbewussten sein.

Das Konzept des kollektiven Unbewussten gilt bis heute als bedeutendes psychologisches Denkmodell.

Morphische Felder

Der britische Biologe Dr. Rupert Sheldrake entwickelte die Hypothese der morphischen Felder.

Nach seiner Vorstellung existieren übergeordnete Informationsfelder, in denen Erfahrungen, Strukturen und Informationen gespeichert sind. Lebende Systeme könnten auf diese Informationen zugreifen und sie für ihre Entwicklung nutzen.

Die Hypothese der morphischen Felder gehört zu den bekanntesten Erklärungsansätzen für die Frage, woher die Informationen stammen könnten, die Menschen im Feld wahrnehmen. Sie hat die Diskussion über dieses Phänomen weltweit maßgeblich geprägt.

Moderne Physik

Auch aus der modernen Physik stammen Denkmodelle, die zur Erklärung der Informationswahrnehmung im Feld herangezogen werden.

Dazu gehören unter anderem die Quantenfeldtheorie, das Konzept eines Nullpunktfeldes, David Bohms Modell einer impliziten Ordnung sowie verschiedene Überlegungen zu nichtlokalen Zusammenhängen.

In einigen Modellen wird außerdem die Vorstellung eines Informationsfeldes oder einer tieferliegenden Ordnung diskutiert, in der Informationen nicht an Raum und Zeit gebunden sind.

Diese Denkmodelle regen dazu an, Phänomene wie den Zugang zum Feld aus einer physikalischen Perspektive zu betrachten.

Bewusstseinsforschung

Die Bewusstseinsforschung beschäftigt sich mit einer der grundlegenden Fragen der Menschheit:

Was ist Bewusstsein – und wie entsteht es?

Dabei geht es unter anderem um die Frage, ob Bewusstsein ausschließlich im Gehirn entsteht oder ob es Teil eines größeren Zusammenhangs sein könnte.

Verschiedene Forscherinnen und Forscher haben hierzu unterschiedliche Denkmodelle entwickelt. Einige gehen davon aus, dass Bewusstsein eine grundlegende Eigenschaft des Universums sein könnte. Andere betrachten es als Ergebnis komplexer Prozesse im Gehirn.

Auch wenn diese Ansätze sehr unterschiedlich sind, eröffnen sie neue Perspektiven auf die Frage, wie Menschen Informationen wahrnehmen können, die sich nicht allein durch bewusste Denkprozesse erklären lassen.

Neurowissenschaft

Auch die Neurowissenschaft beschäftigt sich mit der Frage, wie Menschen Informationen verarbeiten und Entscheidungen treffen.

Dabei wird untersucht, welche Rolle unbewusste Prozesse, Körperwahrnehmung, implizites Wissen und neuronale Netzwerke spielen. Manche Forschende vermuten, dass unser Gehirn weit mehr Informationen verarbeitet, als uns bewusst zugänglich sind.

Diese Perspektive könnte erklären, warum Menschen manchmal über Informationen verfügen, ohne genau sagen zu können, woher sie stammen. Sie erklärt jedoch bislang nicht das Phänomen der Informationswahrnehmung im Feld.

Philosophie des Bewusstseins

Auch die Philosophie beschäftigt sich seit Jahrhunderten mit der Frage, was Bewusstsein eigentlich ist.

Einige Denkrichtungen gehen davon aus, dass Bewusstsein ausschließlich im Gehirn entsteht. Andere vertreten die Auffassung, dass Bewusstsein eine grundlegende Eigenschaft der Wirklichkeit sein könnte und nicht erst durch das Gehirn erzeugt wird.

Je nachdem, welchem Denkmodell man folgt, ergeben sich unterschiedliche Möglichkeiten, Phänomene wie Intuition oder den Zugang zum Feld zu verstehen.

Spirituelle Tradtionen

Lange bevor moderne Wissenschaft versuchte, das Phänomen zu erklären, beschrieben zahlreiche spirituelle Traditionen einen Zugang zu einem umfassenderen Wissen.

Ob im Schamanismus, in östlichen Weisheitslehren oder in mystischen Traditionen verschiedener Kulturen – immer wieder wird davon berichtet, dass Menschen in einen erweiterten Bewusstseinszustand gelangen und dadurch Informationen erhalten, die über das rein rationale Denken hinausgehen.

Die Begriffe und Erklärungen unterscheiden sich zwar, die beschriebenen Erfahrungen weisen jedoch bemerkenswerte Parallelen auf.

F A Z I T

Woher die Informationen stammen, die Menschen im Feld wahrnehmen, lässt sich bis heute nicht eindeutig beantworten.

Es gibt verschiedene Erklärungsansätze aus unterschiedlichen Disziplinen – von der systemischen Aufstellungsarbeit über die Psychologie und Biologie bis hin zur modernen Physik, der Bewusstseinsforschung, den Neurowissenschaften, der Philosophie und spirituellen Traditionen.

Jeder dieser Ansätze betrachtet das Phänomen aus einer anderen Perspektive.

Vielleicht wird eines Tages einer dieser Ansätze die überzeugendste Erklärung liefern.

Vielleicht entsteht das Gesamtbild aber auch erst durch das Zusammenspiel verschiedener Sichtweisen.

Für mich steht deshalb nicht die Frage im Mittelpunkt, welche Theorie letztlich die richtige ist.

Entscheidend ist vielmehr, dass sich dieses Phänomen immer wieder beobachten und erleben lässt – und dass Menschen lernen können, diesen Zugang bewusst und verantwortungsvoll für sich zu nutzen.

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